Spinning 9 ist längst kein Newcomer mehr. Schon seit 2009 geistert er durchs Rap-Geschäft, sowohl national als auch international. Das Mitglied der SODMG (Stacks on Deck Money Gang; CEO ist Souljah Boy) und der GUDG (Glo Up Dinero Gang; CEO ist Money Boy) stellt sich trotz der Versiertheit im Game erst einmal vor. Er will mit seinem Debüt-Album zeigen, was Hinter der Hauptrolle steckt und wer dieser Spinning 9 eigentlich ist. Am 22.4. wird es über das noch recht frische Indie-Label Versunkene Fabrik  (Hause Groove Attack) vertrieben.

Übers Aux-Kabel kommen God Vibes / Denn was sein muss, ja das muss sein

So startet er direkt mit ordentlich Tempo und einer gewissen Epik im Beat (Probs an Beat El Juice) ins Album. Die Hook reißt mit, der Sound ist natürlich voll und ganz im Ami-Stil, aber gut adaptiert. Dass Spinning 9 Ami-Rap auf Deutsch macht, bringt viele Anglizismen mit sich, die man bereits vom Boi und dem Rest der GUDG gewöhnt ist. Sie werden aber gut dosiert, sodass sie nicht nerven oder peinlich klingen. Ohne englisch klingende Reime kann der Swag auch nicht wirklich authentisch zelebriert werden, das gehört einfach dazu.
Neben swaggy Rapresentern und „Ich hab Money“-Tracks finden sich viele biographische Songs, in denen er somit nicht nur sich und seinen Lifestyle vorstellt, sondern eben auch das, was war, und wie sein Leben überhaupt so geil geworden ist. Das Thema „Falsche Freunde durch Fame“ muss natürlich auch angeschnitten werden. Mit Irgendwo Anders bringt Christian F. – wie Spinning 9 mit bürgerlichem Namen heißt – so ziemlich jede Phrase, die je gedrescht wurde, allerdings technisch sehr versiert und in straightem HipHop, was den Track im Endeffekt sehr cool klingen und den wenig aussagenden Inhalt schnell vergessen lässt.

Als Mitglied zweier Geld-Gangs ist es klar: Wer nicht gerade angibt, muss sich über Luxusprobeleme beklagen; das war schon immer so und wird immer so bleiben. Da kann man auch mal so tun, als wäre ein Track mit dem Namen Der Turnup ist real deep: „Das Licht bewegt sich schneller, jede Minute wird heller“. Dass sich hinter diesem (wie auch in den anderen) Text nicht sonderlich viel metaphorische Tiefe oder lyrische Raffinesse verbirgt, fällt früh auf. Das ist aber alles nicht wichtig, denn der Sound ist authentisch und der Style ausgereift, die Flow-Variationen machen das Album abwechslungsreich und interessant. Ein Problem gibt es erst, wenn es zu clubbig oder poppig wird. Damit meine ich nicht, dass zu Club oder Pop gleich schlecht sind, sondern dass dazu eben auch die richtigen Produzenten gebraucht werden. Und Wenn er droppt, dann sollte er eben auch droppen und nicht weiter fröhlich vor sich hin plätschern. Das ist allerdings dem Produzenten Sonix vorzuwerfen und nicht Spinning 9.

Auf der Treppe liegt noch Fanpost, das allererste Poster / In dem Zimmer der Kids, der Allerrealste war Soulja

Mit Orange County beweist Sonix dann auch direkt, dass er es besser kann und dass poppig eben auch gut klingen kann und ist somit der erste Rap-Sommer-Hit 2016. Und wo wir schon bei dem Pop-Part des Albums sind, ist noch das Kayef-Feature names Hausparty anzubringen, indem der Youtuber Kayef mit gutem Flow überrascht, die Hook aber dafür umso schlimmer ist. Ob das Geschmackssache ist, darüber lässt sich streiten, aber am Besten nicht mit Löwenkindern…
Auch der Youtuber Devize kann zwar singen, nur ist der Sound viel zu sehr auf WDR 2 ausgelegt, als dass er noch gut klingen könnte. Diese Feature-Fauxpas‘ macht Frauenarzt aber wieder wett, der nicht wie erwartet den straight HipHop auf dem Album voranbringt, sondern ordentlich abtrappt, natürlich in gewohnter Turn Up-Manier. An Board ist somit ein weiterer Hit auf Hinter der Hauptrolle, wie auch die erste Single-Auskopplung Krieg der Sterne und das Souljah Boy-Feature Cashed Out.

Alle meine Boys sind am Flexen wie Wiz und sind back in dem Bizz‘ / Tanz auf den Boxen, das Motto ist 24/7 Stacks auf dem Tisch

Zum Ende wird auf Abflug nochmal ordentlich rumgeflext, sodass der Eindruck am Ende doch durchweg positiv bleibt und klar ist: „Der Spinning 9, der kann auf jeden Fall was“. Die paar Fehltritte sind beim Debüt auch zu verzeihen und werden außerdem durch die Hits wieder ausgeglichen. Hinter der Hauptrolle ist zum Großteil ein rundes Ami-Ding mit ordentlich Skillz, wennauch das ein oder andere Sound-Experiment den Hörgenuss ein wenig schmälern. Aber hey, das ist Krieg der Sterne-Musik und die Teil I-III waren auch kacke. IV-VI legendär und der Neue auch wieder großartig, ist also alles kein Beinbruch und generell doch gut gelungen, hat viel Swag und der Turn Up ist wahrlich real.


Tracklist:

01. Hinter der Hauptrolle
02. 100 Stacks
03. An Board (feat. Frauenarzt)
04. Krieg der Sterne
05. Der Turn Up ist real
06. 24/7 (feat. Money Boy)
07. Retro
08. Cashed Out (feat. Soulja Boy)
09. Heute Nochmal
10. Wenn er droppt
11. Alles Glänzt (feat. Devize)
12. Orange County
13. Hausparty (feat. Kayef)
14. Irgendwo Anders
15. Abflug