Ja, ihr habt richtig gelesen: es geht um die Red Hot Chili Peppers. Nein, die haben nicht zufällig angefangen zu rappen, jedoch vergangenen Freitag ihre neue Platte ‚The Getaway‘ released. Für alle, die sich neben HipHop auch an anderen Genres erfreuen, hier eine kurze Review zum Album:

Auf ihrem elften Studioalbum schafft es die Band, wieder eine typische Peppers Platte zu produzieren und sich trotzdem weiterzuentwickeln. Nachdem das letzte Album „I’m With You“ von 2011 ja einige Kritiker fand, gibt es diesmal wieder mehr vom klassischen Chili Peppers Sound auf die Ohren. Diesmal sogar mit Synthesizer Sounds.

Aber fangen wir von vorne an:

Mit dem Titelsong The Getaway beginnt das Album mit groovigem Sound, der wohl einen lässigen Sommertrack zum Entspannen abgibt. Danach folgt die Single-Auskopplung Dark Necessities. Vor allem die rhythmische Bassline von Bassist Flea ist wieder ein echtes Highlight. Vielleicht auch, weil sie ein wenig an die Melodie aus ihrem Klassiker „Can’t Stop“ erinnert.

Auch das neue Musikvideo zur Single zaubert ein Stück kalifornisches Rockstarleben auf euren Bildschirm:

Eine gut 3-minütige Zeitreise zum alten Stil der Peppers bietet dann We Turn Red, welches mit viel Funk und ziemlich dreckigem Sound daherkommt. Auch lyrisch gesehen ein interessanter Song, da sich Sänger Anthony Kiedis – passend zur politisch momentan angespannten Lage in den USA – kritisch mit seinem Heimatland und dessen Gesellschaft auseinandersetzt.

Nachdem sich in We Turn Red der typisch funk-rock-poppige Chili Peppers Flow findet, folgt mit The Longest Wave das erste ruhigere, gefühlvollere Stück. Passend dazu gibt es Encore und The Hunter, zwei balladenhafte Stücke zu Ende des Albums. Rein musikalisch spielen diese Stücke auf hohem Niveau und je nach Geschmack werden sie vielen Hörern wohl gut gefallen. Persönlich sind mir diese drei Songs insgesamt aber einfach zu ruhig. Die Peppers schätze ich eben hauptsächlich für ihr ausgeflipptes „funk-rock-blood-sugar-sex-magik“ Feeling. Dieses kommt bei den genannten Titeln nun wirklich nicht auf.

In Goodbye Angels ist dann mal wieder Sänger Anthony Kiedis‘ eigene Interpretation von Rap oder zumindest Sprechgesang zu hören, was ziemlich dope und energetisch rüberkommt. Musikalisch unterlegt wird das Ganze dann noch mit funkigen Synthesizer Sounds; das überrascht und passt perfekt zusammen!

Doch viel hilft nicht immer viel. Das gilt wohl auch wenn man die Klänge jenes Synthesizers mit dem Sound der Chili Peppers kombiniert, wie dann die nächsten zwei Tracks beweisen. Sick Love kommt durch eine ziemlich glattgebügelte Synthie-Soundspur im Refrain recht lahm und kitschig rüber. Auch in Go Robot kicken nur die gerappten Parts, kombiniert mit einzelnen elektronischen Sounds im Hintergrund. Zwischendrin wird es immer wieder deutlich zu poppig, was dem Song dann die Energie nimmt. Hier hätte man mit einem jeweils rockigeren Refrain an die Atmosphäre aus Goodbye Angels anknüpfen können.

Diese kleinen Kritikpunkte treten beim Weiterhören dann aber schnell in den Hintergrund. Gegen Ende nimmt das Album nämlich nochmal ziemlich Fahrt auf. Dabei kommt das schon angesprochene klassische Peppers Feeling auch wieder auf. Genannt seien hier die Tracks Detroit, This Ticonderoga und Dreams of a Samurai, in welchen auch Josh Klinghoffers Gitarre gut zur Geltung kommt. Alles in allem ist Josh auf diesem Album soundmäßig wohl endlich so richtig in der Band angekommen, nachdem er den 2008 ausgestiegenen John Frusciante ersetzt hat.

FAZIT: „The Getaway“ ist kein Über-Album geworden, was ja auch keineswegs zu erwarten war. Man wird keine zeitlosen Superhits, wie es „Can’t Stop“ oder „Californication“ waren, finden. Was man hier jedoch findet, sind die neuen Red Hot Chili Peppers, welche sich weiterentwickelt haben, gleichzeitig aber ihren ursprünglichen Spirit nicht verloren haben.