Die Chakuza-Transformation war beim letzten Album noch recht innovativ und Aus dem Schatten ins Licht… hatte einen gewissen Reiz, durch die überraschende Änderung und natürlich dem Adrenalin-Hit, ähnlich dem Marten’schen Bengalische Tiger-Schlenker im sonst so gradlinigem Soundbild.

Raptechnisch gibt es zwar wenig zu meckern: So flowt Kontra K einen sauberen Doubletime über 3einhalb Minuten in Wie könnt ich oder bleibt über drei Parts im selben Reim auf Ikarus, trotzdem hört man ständig nur „Bleib loyal und teile deinen Schmerz mit mir, den Blut macht nur Verwandschaft, Bruder“.

Das recht düstere Soundbild ist auch irgendwie immer das Gleiche und auch wenn Kontra K’s Stimme immer wieder einen Ohrenschmaus sein sollte, ist das Hörerlebnis eher wenig fesselnd. Die Stimme ist ein Bollerwagen auf den unebenen Beatlandschaften. Folglich kann die Musik gefallen, für denjenigen, der sich in den Wagen setzt und den Film schiebt, wer aber nur mal eben daran zieht, dem geht das Album wahrscheinlich sehr auf die Nerven, auch wenn die Konstruktion an sich, eine eher Gute ist.

Wäre die Hook nicht so sehr Kontra K-Standart, wäre ihm mit Gut Böse ein ziemlich epischer Posse-Track gelungen. Die Parts von BonezMC, Nizi, Raf Camora und Kontra K selbst ballern und der Beat hat ordentlich Pfeffer. Der letzte Song Bittersüß allerdings, für den die dicken Deutschrocker Haudegen ins Boot geholt wurde, lässt jede eventuell aufgekommene Euphorie, die durch das hier und da temporeiche Rumgeflexe entstanden sein könnte, sehr schnell einschlafen. „Ich brauch dich, denn ohne dich weiß ich nicht ob ich noch weiß wie sehr ich dich brauch, mein bittersüßer Schmerz, den Dolch in meinem Herz“. Das tut ein bisschen weh und lässt den Emo schnell wieder zum Casper-Shirt greifen, welcher ziemlich genau diesen Text vor 10 Jahren deutlich interessanter umgesetzt hat.

Weil Kontra K aber keine Hörbucher liest, muss man um die angenehme Stimmfarbe zu genießen seine Musik hören. Und Labyrinth ist auch alles andere als schmerzvoll für die Ohren. Wer darauf verzichtet, auf die Texte zu achten und vielleicht die Hooks skippt, der kommt auch hier auf seinen Hörgenuss. Man muss es halt mögen. Nur aufpassen, er „bleib[t] in deinen Träumen und deinen Tränen“.