Die Gaming Experten unter euch wissen es bereits: seit dem 23. Februar 2016 gibt es den fünften Teil der Spielereihe, „Far Cry Primal“ zu kaufen. Ich hab es jetzt zu nahezu 100% durchgespielt und will nun von meinen Eindrücken berichten.

Zum Anfang möchte ich mit dem Setting beginnen. Der neuste Teil der Reihe spielt nicht wie die vorherigen Teile in einer fiktiven Umgebung im Himalaya, Afrika, einer Südseeinsel sondern er lässt sich irgendwo im fiktiven Europa der Steinzeit finden.

Steinzeit? Richtig. Zum ersten Mal in der Geschichte der Reihe wird das altbekannte Szenario verlassen und neue Wege werden ausprobiert. Nebenbei wird auch noch das Rad der Zeit ganze 10.000 Jahre zurückgedreht. Dabei versteht sich von selbst, dass Sturmgewehre und Pistolen dabei genauso auf der Strecke bleiben wie Geländewagen, Gleiter und Mobiltelefone.

Ihr beginnt als Takkar, Mitglied eines Stammes von Steinzeitmenschen. Eines Tages auf der Jagd nach Mammuts kommt es zu einem Zwischenfall und euer Stamm wird getötet. Wie es der Spielegott so wollte, seid ihr natürlich der einzige Überlebende. Ihr begebt euch dann auf die Suche nach dem mysteriösen Land Oros und dem dort lebenden Stamm der Wenja. Nachdem ihr euch diesem angeschlossen habt, geht es auch schon los und ihr taucht so richtig in die Welt von Far Cry Primal ein.

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Was nun folgt, kennen die meisten, man startet als „Schwächling“ und muss sich nach und nach stärkere Waffen bauen und seine eigenen Fähigkeiten hochskillen. Dafür stehen wieder diverse Skilltrees zur Verfügung, die allesamt mehr oder weniger nützliche Skills offerieren. Was ihr auswählt, obliegt einzig und allein eurem Spielstil. Es gibt die Möglichkeiten eure Nahkampftechniken zu verbessern, euren Eulen-Begleiter zu stärken oder nach besseren Rezepten zu kochen (lasst das weg, braucht kein Mensch, man schafft es auch so!). Möchtet ihr alle Sachen ausbilden braucht ihr extrem viel Zeit und Geduld, denn nicht alles lässt sich sofort verbessern.

Vorher müsst ihr noch:

  • euer Dorf ausbauen
  • x Tiere zähmen
  • in der Story voranschreiten
  • bestimmte Waffen (weiter-)entwickeln

Wenn ihr ein wenig in der Story vorangekommen seid, habt ihr die Möglichkeit Tiere zu zähmen, dass ist ziemlich cool. Denn mit dem tierischen Begleiter und der Eule könnt ihr die unzähligen Außenposten ohne große Mühe einnehmen. Später habt ihr sogar die Möglichkeit große Tiere wie Säbelzahntiger oder Bären zu zähmen. Cool, weil ihr darauf blitzschnell durch Oros reiten könnt. Schlecht, weil der Vorgang des Zähmens recht unspektakulär daherkommt. Köder hinwerfen, zum Tier rennen und Taste drücken. Feddisch!

Mehrfach hab ich jetzt schon die Eule erwähnt. Die Eule ist ein nützliches Werkzeug, wenn ihr einen Außenposten einnehmen wollt. Zack ruft ihr die Eule und erkundet die Umgebung aus der Luft. Zack markiert ihr die Gegner. Zack schickt ihr euren tierischen Begleiter auf die Gegner, bewerft die Gegner mit allerhand Bomben und bleibt selbst dabei irgendwo in sicherer Entfernung versteckt und wartet. Super Sache, wird aber nach dem zehnten Außenposten, den man so einnimmt ziemlich langweilig.

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Noch allgemein zum Spielablauf. Die Entwickler von Ubisoft haben mit der Spielumgebung wirklich ganze Arbeit geleistet. Wie ihr da so durch das fiktive Oros streift, werdet ihr immer wieder von der detaillierten Umgebung fasziniert. Ob es nun der kalte und raue Norden ist, die flachen Ebenen oder der Dschungel. Genießt doch zum Beispiel mal einen Sonnenaufgang, wenn die ersten Sonnenstrahlen über die mit Nebel bedeckte Wiese strahlen oder klettert auf einen Berg und genießt die Aussicht von dort oben aus.

Wenn es jedoch nicht die Pflanzenwelt ist, dann wird euch mit ziemlicher Sicherheit die Tierwelt umhauen. Man ist die gesamte Zeit so gut wie nie alleine unterwegs, immer wieder wird man mit grasenden Rehen, jagenden Bären oder Rothunden konfrontiert. Tagsüber sind auch andere Tiere unterwegs als nachts – Stichwort Nachtaktivität. Viele der Tiere lassen sich wie oben beschrieben auch zähmen und für eigene Zwecke missbrauchen. Fun Fact: viele der Tiere haben wertvolle Pelze, die ihr für den Ausbau eures Dorfes oder Entwicklung eurer Waffen benötigt, ihr könnte jedes Tier locker easy umbringen, es dann häuten und wiederbeleben.

Die Handlung von Far Cry Primal fand ich persönlich ziemlich zäh im Vergleich zu den Vorgängern (s/o an Vaas Montenegro & Pagan Min). Ok, Ubisoft hat ganze Arbeit geleistet beim Entwickeln der Sprache der Urzeitmenschen. Der Publisher bekam dankenswerter Weise Hilfe von Anthropologen und Sprachwissenschaftlern. Das ist zwar ziemlich beeindruckend, was sie da geleistet haben, hilft aber nicht darüber hinweg, dass die Charaktere ziemlich flach daherkommen, die Bindung zum Spieler wird meines Erachtens nach nicht wirklich gut aufgebaut. Liegt vermutlich auch ein wenig an der auch eher langweiligen Story. Einzig und alleine der Character von Urki hat mich gepackt, s/o bester Mann! Auch hätten die Missionen deutlich mehr Pfiff vertragen, die Nebenmissionen sowieso (oder zumindest in reduzierterer Form). Überdenkt man am Ende der Spielzeit nochmal die Missionen, wird einem ziemlich schnell klar, dass sie doch irgendwie alle gleich waren …

Fazit:

Far Cry Primal ist ein super Spiel, mit enorm starken Momenten aber auch so manchen Kritikpunkten. Das Problem bei diesem Spiel, wie auch schon ansatzweise bei Far Cry 4 ist, dass sich das Spielprinzip und die Story nicht gewandelt haben. Es ist immer das gleiche, man ist irgendwie alleine unterwegs, muss seine Fähigkeiten ausbauen, Außenposten einnehmen und Waffen verbessern. Mir wird das mit der Zeit langweilig, auch ein Grund, warum ich Far Cry Primal nicht vollends genossen habe. Die schwache und wenig aufregende Story, die schwergängigen Nahkämpfe und der eher unspektakuläre Vorgang des zähmen der Tiere werten das Spiel ebenfalls für mich ab.

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Es hätte Ubisoft definitiv besser gestanden, wenn sie aus Far Cry Primal den Claim „Far Cry“ inklusive der Story gestrichen hätten. „Primal – Steinzeit Simulator“ wäre da deutlich treffender gewesen. Die Spielwelt ist enorm und man entdeckt alle paar Minuten neue Ecken voller Überraschungen. Auch das jagen und das Wetter steht absolut für sich, das habe ich so gut umgesetzt bisher in noch keinem anderen Spiel gesehen.

Halten wir also fest, mit der Spielwelt, der Physik des Wetters und der Tiere plus der Sprache hat Ubisoft einen Meilenstein im Open World Genre erschaffen, mit der Story und dem ganzen Drumherum eher nicht.

Bilder via Ubisoft Fan Kit