Wir haben einmal in die am 27. November erschienene Kollabo-EP „Von Tokyo Nach Isengart“ von Sichtexot-Member eloquent und dem Produzenten aus Tokio, Lidly, hineingehört. Hier unsere Eindrücke:

Einleitung

Der Wiesbadener eloquent sowie auch seine ganzen Jungs von den Sichtexoten gelten schon seit mehreren Jahren als absoluter Underground-Tipp und potentielle Fackelträger in Sachen Battle-Rap und Boom Bap. Nach einer LP mit Hulk Hodn und „Absolution Vodka“ haut nun mit seinem Homie und Beatbastler Lidly eine gemeinsame EP namens „Von Tokyo nach Isengart“ raus. Vorab sei gesagt, wir haben nach dem Hören noch immer keine Ahnung was das Ganze mit der großen Festung am südlichen Ende des Nebelgebirges zu tun hat.

Rapper wie eloquent sind wohl eine unfaire Angelegenheit für jeden Rezensenten. Denn er ist ein Kritikerliebling. Woran mang das wohl liegen? Das liegt einerseits an der vielgelobten Retro-Ästhetik des Beatkonzepts. Es wird konsequent auf Albumlänge durchgezogen, ist auf seine Art dope und jeden etwas, der es durchgehend fließend, rumpelnd und „drumbreakend“ mag. Andererseits und hauptsächlich liegt es an der textlichen Ebene. Es ist zugleich hochgestochen, roh, abgefuckt und straight rübergebracht. eloquent schießt dir seine Message durch die Blume mitten ins Gesicht.

„Der Beat ändert sich nicht, erwarte nicht anderes, weil dis nur Rap ist, du Bitch!“

Review

Muss ja auch nicht unbedingt sein! An Flow, Inhalt der Texte und Stimme hat sich prinzipiell nichts geändert, es ist nach wie vor ein Aufbäumen um über den thematischen Horizont klassischer Deutschrap-Produkte hinzuwegblicken zu können, ohne dabei die allgemein gehaltenen Battle-Texte zu vergessen. Nur die Wortakrobatik ist hintersinniger als der typische Standard. Es ist eine wildes hin und her aus wüsten Ansagen und verschachtelten Um-die-Ecke-Gedanken, die beweisen, dass eloquent sich mit sich und seiner Umgebung kritisch auseinandersetzt:

 

„Ich würde mich erhängen wär’ ich das, was ihr seid: Dummer Patriotismus und Deutschtümelei, Populismus am Mic und ein bisschen Gejammer – Ey deine Story ist der Hammer!“

Neben jeder Menge persönlichen Referenzen gibt es aber auch direktere Momente auf dem Album. Der Track „Keiner konkret“ reflektiert sich in drei Minuten durch das bisherige Leben eloquent’s:  „Ich bin der geborene Schluck Wasser, der in der Kurve hängt / Darf ich vorstellen, gestatten Sie Mr. eloquent!“ Auch wenn er nicht ins Detail geht, lässt sich doch erahnen, mich welchen Gedanken er sich tagtäglich umgibt.

eloquent macht seinem Namen mal wieder alle Ehre und zeigt wie brodelnd und unberechenbar Rap zwischen Boom und Bap, wie hintersinnige Themen sein können und wie sich deren Inszenierung als Golden Era gestalten kann. Mindestens genauso erfreulich gestaltet sich auch die Instrumentalisierung aus schmalen, souveränen Loops von Streich- und Tasteninstrumenten. Der Weisheit letzter Schluss mag das auf Dauer vielleicht nicht unbedingt sein – aber funktionieren tut es halt einfach immer wieder.


 

Top 3: Von Tokio nach Isengart, Bitterschokolade feat. Loki, Ein Hippie wars