Wer Die Antwoord nicht kennt, sollte schleunigst etwas daran ändern. Was das südafrikanische Rap-Duo live anrichtet, das ist einzigartig. Überall Lichter und merkwürdige Projektionen, alles in Allem ein visualisierter, total abgefuckter Trip.

Support-Act ist DJ Craft, der Vielen als DJ des Rap-Trios K.I.Z. bekannt sein sollte. Kommt nicht ganz so gut an, auch wenn er eine wirklich starke Setlist im Gepäck hatte. Trap-orientiert spielt er unter Anderem Yung Hurn, Trettmann, die Migos und natürlich K.I.Z. und liefert an sich eine gute Performance ab. Die Fans und Reporter sind nur ein bisschen genervt, weil er statt um 19:30Uhr erst um 20:00Uhr die Bühne betritt und Die Antwoord später erst gegen 21:20Uhr.

Dann Nebel. Licht. „Die Atwoord“ steht in weißen Lettern auf der Bühne. Aus dem Nichts erscheint DJ Hi Tek, der das Szenario offiziell mit Operngesängen beginnt. „Hello Fuckin Germany!“ piepst es aus dem Hintergrund und kurz danach springt Anri Du Toit alias Yolandi Visser auf die Bühne im bekannten orangenen Overall und beginnt „Fok Julle Naaiers“ (deutsch: Fickt euch alle) zu performen bis Watkin Tudor Jones alias Ninja dazukommt und den ersten Part rappt. Der Bass bringt die Menge zum Zittern und die Beat-Drops hauen die Crowd immer wieder aufs Neue aus den Socken. Die Crowd an sich ist aber auch ein sehr interessantes Phänomen: Jegliche Gruppierungen sind vertreten und was am Meisten überrascht, ist, wieviele normale Leute in Gelsenkirchen auflaufen.

Wieder ist es der Zauber der Konzerte, der Punks mit Metalheads und eingefleischten Rap-Fans friedlich zusammenbringt. Jeder der rund 4000 Besucher ist freundlich und der Großteil auch überraschend nüchtern. Nicht die besoffene Masse, die man eigentlich erwarten könnte und trotzdem ist, sobald Ninja und Yolandi die Bühne betreten, jeder sofort in diesem Film. Der Vibe lullt jeden ein, wie eine warme Kuscheldecke (unter der ganz viel Strobo-Licht und LSD ist) und es ist kaum möglich, sich dazu nicht zu bewegen.

Nach guten eineinhalb Stunden ist das Ganze aber auch schon wieder vorbei. Da aber nahezu ohne Unterbrechung durchgefeiert wurde, ist das nicht allzu schlimm. Schwierig war es nur das Konzert würdig zu beenden, denn während die gesamte Show bei vielen anderen Konzerten ein wahnsinniges Finale gewesen wäre, haben Die Antwoord es leider nicht geschafft die vorige Show zu toppen und dem Ganzen das Krönchen aufzusetzen, was man sich vielleicht gewünscht hätte. Somit fehlte der Knalleffekt zum Ende hin und das „Danki Doitsland“ von Yolandi kam sehr überraschend, so als würde bei Christopher Nolan’s Inception der Kreisel in der letzten Szene fehlen.

Nichtsdestotrotz ist Die Antwoord live einzigartig und in jedem Falle sehenswert. Wer die Möglichkeit bekommt und sie nicht ergreift, der würde das schwer bereuen. Nun zu den Bildern, da mit Worten nicht zu beschreiben ist, was dort abgegangen ist: